Stress

Schlagwort, Modewort, sehr häufig gebrauchter Begriff in allen Lebensbereichen, Stress, ein Begriff, der häufig im  alltäglichen Sprachgebrauch benutzt wird.

Stress wird heute meistens im pathologischen Sinne benutzt. Dabei hat Stress auch seine positiven Seiten. Bekannt als Eustress trägt er dazu bei, Leistungen in unterschiedlichen Bereichen des Lebens zu optimieren und die Kreativität zu fördern.

Disstress, die pathologische Seite, kann körperliche und seelische Krankheiten auslösen. Psychosomatische Reaktionen wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Rückenprobleme u.v.a. sind nicht selten Begleiterscheinungen in Dauerstressphasen.

„Stress ist zu einem der populärsten Phänomene der westlichen Gesellschaft geworden.“ Vom Begriff „Stress” existiert eine zunehmende Zahl an Definitionen. Dies resultiert daraus, dass im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahrzehnten eine komplexe Debatte im Zusammenhang mit der Zunahme psychischer und psychosomatischer Erkrankungen geführt wurde und weiterhin intensiv geführt wird. Der Begriff Stress ist allgegenwärtig und resultiert aus der Grundlage eines immer schnelleren, hektischeren Lebensstils und aus den Arbeitsbedingungen einer zunehmend technisierten Umwelt. Die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen sind das Ergebnis dieser Entwicklung. Eine Vielzahl empirischer Untersuchungen im Rahmen der Stressforschung sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Stress unsere Alltags- und Arbeitsbedingungen inzwischen derart beeinflusst, dass sich dadurch pathologische Verhaltensweisen chronifizieren und unsere Gesundheit massiv gefährden.

Begründer der Stresstheorie ist der österreich-kanadische Arzt Hans Selye, der 1930 die Reaktion des Körpers bei Belastungen erforscht hat. Stress ist demnach die körperliche und seelische Reaktion eines Individuums (Tier oder Mensch) auf Belastung.

Selye hat den Begriff des Allgemeinen Anpassungssyndroms (AAS) geprägt. Dieses bezeichnet ein allgemeines Reaktionsmuster des Körpers auf längere Stressreize. Langfristig können diese zu körperlichen und emotionalen Schäden führen.

Transaktionales Stressbewältigungsmodell von Richard Lazarus

Der Stressforscher Richard Lazarus versteht Stress als einen Prozess komplexer Wechselwirkungen. Lazarus geht davon aus, dass die subjektive Bewertung einer Person darüber entscheidet, ob sie situationsbezogen Stress empfindet. Stress entsteht durch eine bestimmte Beziehung (Transaktion) zwischen Umwelt und Person, die von der Person als bedeutsam bewertet wird. Im transaktionalen Stressmodell werden zwei Arten der Bewertung unterschieden, die primäre und die sekundäre Bewertung.

 Die Person stuft die jeweilige Situation im Rahmen einer primären Bewertung entweder als positiv, gefährlich (herausfordernd) oder irrelevant ein. Es kommt zu einer sekundären Bewertung der Situation, wobei die verfügbaren Ressourcen analysiert werden und die Entscheidung getroffen wird, ob und wie die Situation bewältigt werden kann.  Die sekundädre Bewertung entscheidet darüber, welche Bewältigungsfähigkeiten und –möglichkeiten (Ressourcen) vorhanden sind. Reichen die Ressourcen zur Bewältigung der Stressoren aus,  entsteht kein Stress. Sind aber die Bewältigungsmöglichkeiten nicht in ausreichendem Maße vorhanden, so entsteht Stress. Die Ergebnisse beider Bewertungsprozesse entscheiden darüber, welche Copingstrategien angewandt werden. Nach der jeweiligen Bewältigung der Situation kommt es zur sog. Neubewertung der Situation und dadurch auch Beeinflussung der Umwelt. So entsteht ein dynamischer Prozess der Veränderung, ein transaktionaler Prozess.

Von Philipp Guttmann - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52299894
  • Eustress: positiver Stress, Energiebereitstellung, Motivation
  • Distress: belastender Stress, interne und externe Stressoren führen zu einer erhöhten Energiebereitstellung, um auf Stressoren reagieren zu können
  • Chronischer Stress (ist ebenfalls Distress): dauerhaft bestehende Stressoren und dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen, gesundheitsschädliche Auswirkungen

Quellen:

  • Rohmer S: Stress – die Geschichte eines westlichen Konzeptes, Diss. Heidelberg 2015
  • Kaluza G.: Gelassen und sicher im Stress, Berlin, Heidelberg 2014
  • Hörning, Martin, Tack Johannes; MSBB mind, soul & body in balance, Köln 2021
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